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GfaT
Nr. 565 (November 2091):
Gefäss für atomobile Texte
Zeitschleudern
zwischen Schaan und Vaduz |
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Der hüpfende Frosch: Die uneingeschränke Ausbreitung
der riesigen Mutantenfrösche (von jeah.)
Ich spazierte kürzlich an einem ganz normalen Regentag mit Regenschirm
durchs Grün, da kam plötzlich mit einem Riesensatz ein riesiger
Mutantenfrosch angehüpft. Er trug eine blau-weiss gestreifte Regenjacke
und machte einen äusserst gestressten Eindruck. Ich hatte Angst.
Der Frosch wollte zu mir. Er kam näher.
Als wir uns Auge in Auge gegenüberstanden, fragte mich der Frosch,
ob ich hier in der Nähe einen Weiher gesehen hätte. Ich wies
ihm den Weg zum Weiher, wo immer viele Leute in Regenjacken rumlungern.
Der Mutantenfrosch bedankte sich herzlich und frass mich auf.
Wie die Redaktion 88 Jahre und zehn Minuten zu spät kam (von
aal.)
Es waren einmal zwei verdeckte Informanten. Sie hatten mit der Presse
einen geheimen Termin an einem unbekannten Ort vereinbart, riefen dann
aber nochmals bei GfoT an, der Zeitschrift die besser ist als..., um den
Termin auf den 10.10.2003 (gleichentags) an die Hauptstrasse in Vaduz
zu verlegen. Die Informanten, Karl-Friederich Wurstwadel und Sabine S.
Äss, sagten noch, dass sie vorher nicht könnten, da Karl-Friederich
immer, jeden Tag, bis 13.00 Uhr in der Metzgerei Hirschumdieeckebringen
Hirsche um die Ecke vom Schlachtzimmer ins Verkaufslokal bringen müsse.
Die GfoT-Redaktion zeigte nur wenig Verständnis, weshalb die Informanten
den ganzen Satz mit der Metzgerei wiederholen mussten. Die GfoT-Redaktion
war einverstanden und meinte noch, dass sie sowieso ein Interview mit
dem Fleisch und Wurst Fürst in Schaan führen werde und dieser
sie anschliessend sicher gerne nach Vaduz mitnehme, da die Orte ja nicht
weit entfernt lägen. Mit zittriger Hand liess Jean-Borislav den Hörer
auf die vorgesehene Höreraussparung beim Telefon fallen, verfehlte
sie aber und verhehlte die zwanzig Kaffen Tassee, die zwanzig Taffen Kassee
und die zwanzig Tassen Kaffee, die er in den letzten 10 Sekunden des Telefonats
getrunken hatte, um nicht einzuschlafen. Extrem kurz nachdem Jean-B. den
Hörer aufhob und auflegte, fuhr die Redaktion nach Schaan, um den
Fürst zu treffen. In der Zwischenzeit brachte Karl-Friederich Wurstwadel
Hirsche um die Ecke, und Sabine S. Äss verunstaltete ihr Gesicht,
damit man sie nicht erkennen würde. Danach montierte sie, wie von
der GfoT-Redaktion vorgeschlagen, die Namenstafel mit Postanschrift, Telefonnummer,
Geburtsort und Lieblingsfarbe. Schliesslich war es 13.30 Uhr und die Informanten
gingen gemeinsam ins Gebäude an der Hauptstrasse eins und warteten
auf die Presse. Nach zwei Minuten nach zwei Uhr meinte Karl-Friederich
Wurstwadel wütend: "Unpünktlich! Unpünktlich! Wirklich
unpünktlich!" Nach zwei Jahren* vergass Sabine plötzlich
die Informationen, die sie überbringen wollte und ging einkaufen.
Als nach 52 Jahren Karl-Friederich starb, da der mitgebrachte Vorrat (10
Hirsche) aufgebraucht war, nahm der Informant die Information mit ins
Grab. Und hätte er sie vorher nicht ausführlich aufgeschrieben,
wäre sie der Nachwelt enthalten geblieben. Und wenn die GfoT-Redaktion
nach 81 Jahren und 10 Minuten das nicht mehr existente Gebäude an
der Hauptstrasse 1 durchsucht hätte, hätte sie nichts gefunden
und sich nicht mit der billigen Ausrede, sie seien mit dem Auto ins Zeitschleudern
geraten, aus der Affäre ziehen können.
Nur dank dieser schriftlichen Notiz wissen wir, worum es Karl-Friederich
Wurstwadel ging: Es ging um die Wurst, Herr Fürst!
*Hätten sie das GfoT abonniert gehabt, hätten
sie spätestens seit November 2003 Kenntnis über den Verbleib
der Redaktion gehabt. Natürlich hätte die Redaktion von 2003,
wieder in der Gegenwart, die Informanten aufklären können, doch
hätten sie dafür eine super Story aufgegeben.
Wahlsonntag (von wuf.)
Ich wollte unbedingt in die nächste Ausgabe des GfoT kommen, weshalb
ich mich auch wie immer mit vollem Einsatz darum bemühte, etwas Alltägliches
und doch dank seiner Selbstverständlichkeit oft übersehenen,
in der Einfachheit geniales zu erleben. Bis jetzt gelang mir das auch
in den meisten Fällen in der vorgegebenen Zeitspanne, die sich zwischen
zwei Ausgaben erstreckte. Stets einmal in zwei Monaten widerfuhr mir ein
irrwitziges Alltags-Schauspiel, das sich dann bestens eignete, der breiten
Masse unter die Nase zu reiben.
Doch wie war es heute? Keine lustigen Werbetafeln, die zum Spott sich
eigneten, keine langwierigen Gespräche am SBB-Schalter, nichts.
Und da beschloss ich, etwas dagegen zu unternehmen. "Bitte Tube auf
den Kopf stellen", welches auf der Zahnpasta stand, war nur am Anfang
witzig und löste mein Problem nicht.
Aber da war doch noch eine Institution, welche sich für eine kleine
Aufmunterung nicht nur ausgezeichnet eignete, sondern die sich durch ihre
gut gekleideten Vertreter an der Haustüre selbst immer wieder für
solche Unterfangen gekonnt in Szene setzen konnte: Die Post.
Ich steuerte also Richtung Haupteingang und fügte mich dem Fortschritt,
der selbst hier keinen Halt zu machen scheint, während aus dem kleinen
Kästchen meine Nummer ausgedruckt wurde. Nur noch 32 Leute vor mir.
Ich setzte mich vorübergehend, um den Damen Gesellschaft zu leisten,
welche hier am Tresen sassen (ja, Sie lesen richtig. In der Post, dem
hektischsten Platz der ganzen Innenstadt, gibt es eine Bar, an der man
so lange sitzen kann, wie es der Countdown zum Schalter zulässt).
Ich komme nun also an die Reihe und wie alle anderen gebe ich mir Mühe,
nicht peinlich aufzufallen, indem ich meinen Zettel mit der Nummer schon
vorbereitet habe und möglichst schnell zum Schalter stürme.
Jetzt bin ich also dran mit meiner Komödie und ich bitte die Verkäuferin,
deren Namen ich leider nicht aussprechen kann, mir ein m&ms zu berechnen,
welche neben dem Schalter stehen.
Das war's, ich war satt und die Dame hinter dem Glas überrascht.
Nur gut ging ich an einen Schalter, an dem diese Süssigkeiten auch
verkauft wurden, ansonsten hätte ich wahrscheinlich nochmals von
vorne zu warten beginnen müssen bis ein geeigneter Schalter frei
wurde. Und stellen Sie sich die Diskussion vor, wenn ich der unaussprechbaren
Dame hätte klar machen müssen, dass ihr Schalter nicht geeignet
ist für mich. Jetzt, wo doch die Rechten in der Wahl sehr wahrscheinlich
so gut abschneiden werden.
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