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GfeT Nr.
30 (1.9.2002)
Gefäss für exponentielle Texte
Im Schatten der Expo |
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AUS
DEM INHALT:
Hrwaczniewskis Schnürsenkel | Bärenstark
| Roter Faden | Kornkreis für die Katz
| Draussen auf dem Schaukelsofa | Die törichte
Tat des sackschwachen Rucks
Hrwaczniewskis Schnürsenkel
Albert Hrwaczniewski
lief, ohne den offenen Schnürsenkel zu bemerken. Er lief, lief, lief,
lief, trat unglücklich auf den offenen Schnürsenkel, fiel kopfvoran
auf den Beton und fluchte: «Scheissdreck nochmal!»
Beim Sturz ging seine Brille in die Brüche, was besonders
ärgerlich ist, wenn man ohne Brille wenig sieht, die Brille viel gekostet
und man sie erst kürzlich erworben hat. Diese drei Aussagen treffen
zwar auf Albert Hrwaczniewski nicht zu, trotzdem brüllte er mit lauter
Stimme: «Huëre dammi Wixerkacke!»
Das zerbrochene Brillenglas schnitt eine tiefe Wunde in Alberts
Netzhaut und seine schmerzuntermalte Stimme fauchte: «Föck, föck,
verdammter Scheissidioten-Schitt!»
Seine Hand griff reflexartig zur Wunde am Auge, was die Scherbensplitter
noch weiter in den Körper drückte, so dass Nasen- und Wangenknochen
freigelegt wurden und das blutende Auge zu Boden fiel. «Schitt, Schitt,
Schitt, Pütädömärd nomol, Seckelarschscheisszeugs da!»
«Scheissasphalt» war der einzige Kommentar des heranbrausenden
LKW-Fahrers, als dieser den winselnden Albert Hrwaczniewski überfuhr.
gut.
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Bärenstark
Der kleine Frosch hüpfte durch Flora und Fauna, entlang der Flure
in die Sauna. Als er in den Feuchtbereich kam, empfing ihn eine mammutmässige
Dampfwolke, die stark nach Löwe roch. Und wirklich versuchte
im nächsten Augenblick eine gelangweilte Grossraubkatze, dem
Frosch an die Schenkel zu gehen. Wäre der Frosch nicht bärenstark
gewesen, läge nun er zuckend neben dem heissen Stein und nicht
der geschweissperlte Löwe.
jeah. Bild: urs.
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Roter Faden
Auf der Suche
nach irgend etwas fand Elsbeth im Dachgeschoss der Familienvilla einen roten
Faden von Uronkel Theobold. Er musste den Faden ein Leben lang gesammelt
haben, denn es war viel Faden. Viele Meter und mehr auf einer grossen Spule.
Es war ein schöner roter. Elsbeth überlegte sich, wozu sie ihn
verwenden könnte. Schliesslich hat sie ein rotes Tuch daraus gewoben.
jeah.
Kornkreis für die Katz
Bettighofen,
Thurgau: Mitternacht von Dienstag auf Mittwoch.
Neben Bauer Bönis Agrarbesitztümern landet leise ein UFO (Abk.
für U-Fliegendeuntertasse-O), welchem einige Marsianer entsteigen.
Sofort beginnen sie ihre terrestrische Haupttätigkeit. Sie schweben
über das Kornfeld und kreieren mit einer den Menschen noch lange
unerklärlich bleibenden Fähigkeit einen der schönsten Kornkreise,
die je erschaffen worden sind. Fünf Minuten später ist der Spuk
vorbei, das UFO weggeflogen, nur ein exzellenter Kornkreis bleibt zurück.
Bettighofen, Thurgau:
Mittwoch, frühmorgens um halb vier.
Stockbesoffen schwankt Bauer Bönis Sohn Martin heimwärts zu
Vaters Agrarbesitztümern. Nebenher schwankt Regina Roth, die attraktivste
Bettighofnerin, aber auch diejenige, die schon mit den meisten Jungs was
gehabt hat. Martin Böhi packt die Chance, küsst sie, und Regina
macht mit, erleichtert, dass Martin überhaupt mal beginnt. Sie taumeln
ins Kornfeld, haben keine Augen für den Kornkreis, sondern liegen
halbnackt, stöhnend und geifernd herum, drehen sich, schmusen mal
stehend, mal liegend, mal seitwärts, mal handstandmachend, und lassen
unzählige Kornfeldspuren zurück.
Bettighofen, Thurgau:
Mittwoch vormittag:
Nachdem Bauer Böni das zerstörte Kornfeld bemerkt hatte, rief
er Polizei und Presse. Bald wimmelte es von Extraterrestriologen und Kornkreisexperten.
Doch einstimmig entlarven sie das Kunstwerk als Scherz von Jugendlichen,
die menschlichen Spuren und Abdrücke sprächen eine deutliche
Sprache.
Schade, liebe Marsianer, dass euch auch diesmal unsere Anerkennung versagt
bleibt. Schade, Bettighofen, Thurgau, dass ihr nicht in den Kreis der
Kornkreis-Dörfer aufgenommen werden könnt. Schade, Martin und
Regula, dass ihr eurem Dorf und euren ausserirdischen Mitbewohnern alles
versaut habt.
gut.
Draussen
auf dem Schaukelsofa
Das Schaukelsofa
war ein Erbstück von längst vergangen, vermoderten, verwesten,
zu Asche oder/und Erde gewordenen Generation. Geerbt hatte es Berti. Nun
sass er auf dem Sofa vor dem Haus. Schaukelte in der Abendluft und dachte
die Geschichte von Bertholdus, Edelritter, Edelmann und überhaupt sehr
edel:
«Bertholdus, Bertholdus» kam der Knappe gerannt: «Bertholdus,
der König braucht ihre Hilfe! Der König lässt nach ihnen
rufen!» «Oho, der König persönlich!» meinte
Bertholdus. «Oh ja, edler Ritter Bertholdus, der König perönlich
lässt nach ihnen Rufen. Sie mögen sich im Palaste einfinden.»
«Aha, im Palast persönlich!» bemerkte Bertholdus. «Oh
ja, zum königlichen Palast sind sie gerufen von seiner Majestät
persönlich zur Unterredung auf dem Schaukelsofa.»
«Oioi, auf dem Schaukelsofa persönlich! Knappe, kannst du mir
verraten warum der König begehrt, mich zu sprechen auf dem Schaukelsofa
in seines Herrschafts Königspalast? Wenn du davon weißt, so
erzähle es mir, dass ich mit Vorbereitungen beginnen kann.»
«Edler Ritter Bertholdus, der es wagt, dem fünfköpfigen
Drachen Schreckusfeuerus in die Augen zu blicken, der gefürchteste
Ritter in jeder Schlacht, der die schönsten Unterröcke trägt
in ritterlichen Pastellfarben, ich weiss vom Anliegen des Königs!»
«So sprich, sprich, sprich, sprich schon, sprich, lasse deine Worte
hören, rede, erzähl mir schnell, sprich schon, lass dich nicht
aufhalten mir zu berichten, berichte mir, lass nicht unnötig Zeit
verstreichen, sprich, rede, sprich...» «Die Schaukel knirscht
und muss gefettet werden.»
In solchen Augenblicken bereute es Berti, dass er sein Schaukelsofa nicht
schon längst mit etwas Öl von quietschenden Geräuschen
befreit hatte. jeah.
Die
törichte Tat des sackschwachen Rucks
Alfred Ruck
und Georg Sack heissen die Gründer des Kondomunternehmens «Sack&Ruck».
Kürzlich beschlossen sie, für ihre Firma Werberucksäcke zu
fertigen, von welchen Ruck einen gleich selber nach Hause nahm. Somit hatte
er jetzt drei Rucksäcke: Einen Sport-, einen Armee- und einen «Sack&Ruck»-Rucksack.
Aus Liebe zur Ordnung bewahrte er diese am gleichen Ort auf, nämlich
in einem Leinensack, der ebenfalls aus der Werbeabteilung der besagten Firma
stammt. Dieser «Sack&Ruck»-Leinensack wird seiner Funktion
als Rucksackssack wegen von Ruck spasseshalber als «Sack&Ruck»-Rucksacksack
bezeichnet.
Jedenfalls nahm heute morgen Ruck, zwar sackmüde, mit einem
sackschwachen Ruck den Sportrucksack anstelle des «Sack&Ruck»-Rucksacks
aus dem «Sack&Ruck»-Rucksacksack. Dies ist zwar nicht weiter
tragisch, doch meines Erachtens durchaus eine Notiz in der GfeT wert.
gut.
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